Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Ich brauche Eure Meinung. Denn da draußen tobt ein Krieg, und ich weiß nicht, wie ich mich positionieren soll. Bitte schreibt Eure Meinung als Kommentar auf!

Es fing ganz harmlos an. Auf der Suche nach Information über ein Fleischersatzprodukt namens "Valess", das in Deutschland noch relativ neu ist, stieß ich auf ein Vegetarierforum und lernte schnell, dass nicht nur manche Vegetarier missbilligend auf uns Fleischfresser herab blicken, sondern ebenso auch manche Veganer auf die Vegetarier! Die Ausdrucksweise der betreffenden Veganer hat etwas Arrogantes. Beispiel:

ich mache mich gerne mal unbeliebt und sage fleisch = mord
aber milch auch irgendwie = mord. ich find es gut wenn man vegetarier wird aber meines erachtens macht es nur wirklich sinn wenn man sich zum veganer weiterentwickelt.

(Zitiert vom Nutzer "mizzimuzzi", Link zum Original)

Ein paar Posts später erregt der oberlehrerhafte Ton mizzimuzzis spontan Abneigung in mir:

ich sehe vegetarismus als vorstufe...aber nicht als vollendung des ganzen. ich sage nicht das die menschen wieder fleisch essen sollen sondern ich sage sie sollen aufhören milch,ei etc. zu konsumieren. und das finde ich schon überzeugend...denn was milchkonsum und eikonsum etc. für folgen für unsere mitlebewesen haben muss ich dir sicher nicht wieder runterbeten.

(Link zum Original)

Sieh an, der hohe Herr will sich nicht dazu herablassen, das Thema erneut runterzubeten, auch noch für die letzten Zurückgebliebenen, will es mir scheinen. Aber irgendwie klingt das auch wie eine Drohung: "Nick das jetzt ab, oder ich texte dich noch mal so zu wie damals..."

Der Nutzer "funkymunky" setzt noch einen oben drauf und macht ganz klar, wen er für die besseren Menschen hält:

Man kann es drehen und wenden wie man will, die Rechnung sieht, ungeschönt, immer so aus, dass am Ende steht: Ethisch begründeter Vegetarismus ist einfach nur die halbe Miete, wenn überhaupt. Diesen "darf" man sich nur auf die Fahnen schreiben, solange man noch von sich selbst geblendet wird. Und noch nicht richtig informiert ist.

Ich glaube, die wenigsten Vegetarier wissen es. Sie hören auf Fleisch zu essen und meinen, dass das das Ende der Fahnenstange sei. Das liegt aber einzig und allein nur an mangelnder Aufklärung (man denkt halt einfach nicht daran, was mit männlichen Kälbern passiert etc.) und irgendwann dann halt am Selbstbelügen, wenn die Aufklärung erfolgt ist.

(Link zum Original)

Wir haben also eine Hierarchie: Die Veganer sind die ethischsten, dann kommen die Vegetarier, die, gleich unwissenden Kindern, im "Selbstbelügen" leben, und schließlich die Fleischesser. Zufälligerweise ist dieses doch recht simple Bewertungssystem so angelegt, dass der Autor selbst dabei ziemlich gut weg kommt. Ach, wie meine Abneigung schon in meinem Magen wühlt und nur auf den kleinsten Anlass wartet, um in oberflächlichen Hass umzuschlagen!

Doch halt! Haben sie nicht irgendwie recht, die selbstgerechten Elfenbeinturmwesen? funkymunky setzt später noch nach und begründet seine totale Verurteilung aller Nicht-Veganer inhaltlich:

Uli, das Problem ist doch, dass in dem Moment, in dem Du ein Milchprodukt kaufst, Du immer noch die Ausbeutung und Tierleid unterstützt. Direkt unterstützt Du:
- Tierhaltung generell, ob "artenfreundlicheres" Bio oder komplett schauderhaftes konventionell sei mal dahingestellt.
- künstliche Befruchtung, damit Kälber geboren werden und die Kühe Milch geben, was meiner Meinung nach einer Vergewaltigung oder eben gewaltsamen Befruchtung ähnelt.
- Züchtung der Hochleistungsrassen, was für die Tiere insgesamt ein unangehmeres Leben bedeutet
- Dass die Tiere, die Deine Milch geben, nach 4-7 Jahren geschlachtet werden, anstatt wie normalerweise 20-30 Jahre alt zu werden
- Zerstörung der Umwelt

indirekt unterstützt Du:
- Die männlichen Kälber kommen in die Mast und auf die Teller der Omnis
- Weibliche Kälber folgen ihren Müttern in die Versklavung oder kommen auch auf die Teller
- Wenn sie außerhalb der Quoten geboren werden passiert auch etwas unschönes
- Alle werden weiter zu Leder, Lab für den Käse, Tiermehl etc.pp. verarbeitet.
- Teilweise wird wegen Überproduktion Milch vernichtet, wodurch eine Menge Leid unnötig war
- Massentötungen in Fällen von "Seuchen" etc.

Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein.

Ich finde jedenfalls, die halbe Miete ist noch zu hoch gegriffen. Zu eng sind Fleisch- und Milchproduktion verzahnt....
Aber egal, ich will hier nicht weiter drauf rumreiten, bin wech, schönen Abend... ;)

(Link zum Original)

Der letzte Satz gibt mir das Zitronengesicht. Zuerst reitet er ohne Ende auf dem Thema rum und schreibt dann "ich will hier nicht weiter drauf rumreiten".

Obwohl seine Argumentations- und Urteilsweise mir sehr oberflächlich, lückenhaft und vor allem selbstverliebt erscheint (und das kann durchaus an meiner Abneigung gegen seine Ausdrucksweise liegen), finde ich: Zum Teil ist da was dran. Ja, sicherlich gibt es Tiere, die für unsere Milchgewinnung so gehalten werden, dass sie leiden. Mir stellen sich vor allem zwei Fragen:

1. Inwiefern ist es ethisch zwingend, auf den Konsum von Produkten zu verzichten, durch deren Produktion bei Tieren Leid entsteht? Sekundär auch: Wie sehr muss man dafür Einschränkungen der eigenen Gesundheit hinnehmen?

2. Ist das Leid einer Kuh so zu bewerten wie das Leid eines Menschen? Unter welchen Bedingungen leidet eine Kuh überhaupt, und ist es schlimm, wenn sie leidet? (Die Kuh soll nur ein Beispiel-Tier sein. Wir können alternativ auch alle anderen involvierten Nutztierarten einsetzen.)

Die zweite Frage ist ein ziemlicher Knackpunkt für mich. Sie ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt keinen einfachen Unterschied zwischen toter Materie und beseelten Menschen, sondern der Übergang ist fließend. Wir können bei Steinen und Kristallen als unzweifelhaft toten, unbeseelten Objekten beginnen, dann über Einzellern zu Würmern gehen, über Insekten zu Spinnen, Fischen, Vögeln, Hunden, Affen, und schließlich zu Babys, geistig behinderten Menschen, Kindern, Heranwachsenden und letztendlich bei den Erwachsenen mit einem voll ausgebildeten menschlichen Selbst ankommen. Die Leiter, die wir dabei hochgeklettert sind, ist meines Erachtens die aufsteigende Hierarchie der zunehmenden "Beseeltheit" von Objekten. Ich will mich nicht darauf festlegen, ob der Hund oder der Affe "beseelter" ist. Das ist mir relativ egal (und einerseits nicht unbedingt messbar, andererseits von Hund zu Hund und von Affe zu Affe verschieden); ich will nur sagen, dass es solche Abstufungen gibt, und das sollte jedem auch intuitiv einleuchten. Auch will ich mit der Verwendung des Wortes "Seele" keineswegs irgendwelche religiösen oder übernatürlichen Fantasien ansprechen. Ich meine mit "Seele" das, was uns die Fähigkeit verleiht, die Person zu sein, die wir sind, und uns von anderen Personen zu unterscheiden. Und auch gleichzeitig das, was uns dazu veranlasst, menschliches Leben als viel wichtiger und erhaltenswerter zu betrachten als beispielsweise das Dasein eines großen Steins.

Douglas Hofstadter hat diesem Thema ein ganzes Buch gewidmet: "Ich bin eine seltsame Schleife". Wer Hofstadter nicht kennt, dem darf ich kurz verraten, dass Hofstadter ein Philosoph, Akademiker und Vorreiter der Künstlichen Intelligenz ist, den ich für einen verdammt guten Denker halte; einer der wenigen Universalgelehrten. Berühmt wurde er durch sein Buch "Gödel, Escher, Bach".

Leider kann ich "Ich bin eine seltsame Schleife" nicht einfach zusammenfassen. Hofstadter beginnt damit, diese "Hierarchie der Beseeltheit" zu beschreiben, und kommt, ausgehend von diesem sehr naiven Modell, zu sehr viel feineren Modellen. Er ist Vegetarier - schon zum zweiten Mal in seinem Leben. Aus ethischen Gründen. Neben all seinen herrlichen Erklärungen hat er vor allem ein Bild herauf beschworen, das sehr einfach ist und sich mir in den Kopf eingebrannt hat: Als Kind besuchte Hofstadter eine Metzgerei in Deutschland. Dort sah er in der Theke einen vollständigen Schweinskopf liegen, mit Augen und heraushängender Zunge. Voller Entsetzen ging er hinter die Theke, um nachzuschauen, wie der Kopf von der anderen Seite aussah. Der Junge schaute in den abgetrennten Hals. Er sah durchtrennte Adern, Sehnen, die Luft- und die Speiseröhre. In Bezug auf diesen Schweinskopf, der völlig intakt war, abgesehen davon, dass man ihn vom Rest seines Körpers getrennt hatte, packte ihn eine brennende Frage:

Wer war das, der einmal durch diese Augen nach draußen geschaut hat?

Ich finde es sehr beeindruckend, dass er nach dem Wer eines Schweins fragt. Wer war derjenige, der in dem Schweinskopf "saß", durch die Schweineaugen nach draußen schaute, die Schweinemuskeln bewegte, den Wind über die Schweinehaut pusten spürte? Und: Wenn das Tier dann auf meinem Teller landet - wen esse ich da? Oder ist die Frage sinnlos? Hat ein Schwein vielleicht gar kein Wer, genau so wenig wie ein DVD-Player oder ein Handy?

Die Antwort ist sicherlich kein simples Ja oder Nein, kein Schwarz oder Weiß, sondern eine Grauschattierung, ein "Jein". Ein Schwein denkt nicht an Zukunft oder Vergangenheit, kann sicherlich auch nicht seine eigenen Gliedmaßen bewusst als "meins" identifizieren, so wie ich meinen Arm zu meiner Person als zugehörig empfinde, und ein Schwein wird auch niemals so etwas denken wie: "Ach Schwein, zu blöd, dass ich hier als Sklaventier gehalten werde, um von den Zweibeinern gegessen zu werden. Das ist doch barbarisch! Ich würde eine Klage vor dem internationalen Gerichtshof einreichen, wenn ich mir nur einen Anwalt leisten könnte."

Aber sicherlich kann ein Schwein die äußerlichen Anzeichen des Empfindens von Leid zeigen, anders als beispielsweise eine Mücke.

Ich bin mir wirklich sehr unschlüssig, inwieweit es ethisch in Ordnung sein kann, Schweine und Kühe zu essen. Oder durch das Trinken von industriell gewonnener Milch die Massentierhaltung und Tötung männlicher Kälber zu unterstützen.

Wie ist Eure Meinung? Habt Ihr auch schon mal intensiv darüber nachgedacht? Oder bringt Euch vielleicht dieser Artikel zum Nachdenken? Wärt Ihr gern Vegetarier, aber traut Euch die Umstellung nicht zu? Oder findet Ihr dieses ganze Getue um das seelenlose Vieh vielleicht sogar - total affig?

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Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

"Sieh an, der hohe Herr will sich nicht dazu herablassen, das Thema erneut runterzubeten, auch noch für die letzten Zurückgebliebenen, will es mir scheinen."

Der andere hohe Herr treibt sich in einem Forum rum, in dem die Benutzer mit ähnlicher Lebenseinstellung den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als über das Thema zu diskutieren, Du hast dich noch nicht wirklich mit der Materie auseinandergesetzt und verlangst, dass mizzimuzzi die Grundlagen zum Vegetarier/Veganer sein, in einem Thread der um einen Fleischersatz geht, erklärt. Sich darüber aufzuregen zeigt schon etwas von eigener Überheblichkeit. Veganer stellen den Menschen mit dem Tier gleich und umgekehrt. Veganer verstehen den Menschen als Tier und sind der Meinung, dass nichtmenschliche Tieren zumindest gewisse Grundrechte, ähnlich denen der menschlichen Tiere, zustehen. Demensprechend sind sie aufgrund ihrer Einstellung, bei der sie sich moralisch im Recht fühlen, oft sehr streitbar und werden auch häufig als arrogant oder militant empfunden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Vegetarismus http://de.wikipedia.org/wiki/Veganismus

"Wir haben also eine Hierarchie: Die Veganer sind die ethischsten, dann kommen die Vegetarier, die, gleich unwissenden Kindern, im "Selbstbelügen" leben, und schließlich die Fleischesser. Zufälligerweise ist dieses doch recht simple Bewertungssystem so angelegt, dass der Autor selbst dabei ziemlich gut weg kommt. Ach, wie meine Abneigung schon in meinem Magen wühlt und nur auf den kleinsten Anlass wartet, um in oberflächlichen Hass umzuschlagen!"

Oberflächlich ist genau das richtige Wort. Dein Kommentar ist wirklich oberflächlich. Dir mag vielleicht die Wortwahl aufstoßen, doch im Kern hat funkymunky recht. Allerdings geht es nicht wirklich um Ethik sondern um Konsequenz.

Ich schätze, die meisten ethisch motivierten Vegetarier essen kein Fleisch, weil wegen dem Fleischkonsum Tiere getötet werden müssen. Wenn man von dieser Lebenseinstellung ausgeht und einfach nur kein Fleisch mehr isst und nicht weiterdenkt, ist das naiv und inkonsequent. Da kann man nichts sonst weiter zu sagen. Wenn derjenige dann an sich runter schaut, wird er als erstes feststellen, dass er/sie einen Leder-gürtel, Jacke, Hut, Schuhe trägt. Dafür mussten dann keine Tiere sterben oder wie? Dann folgt der Milch und Milchprodukte Konsum, Eier und Fisch. Es gibt außerdem noch die Frutarier, auch Fallobstler genannt, die noch nicht mal die Zerstörung einer Pflanze zur Nahrungszubereitung zulassen.

„Ich finde es sehr beeindruckend, dass er nach dem Wer eines Schweins fragt.“

Finde ich nicht. Mich erstaunt, dass du noch offensichtlich nicht nicht darüber nachgedacht hast, was ein Tier denkt oder fühlt.

„Ein Schwein denkt nicht an Zukunft oder Vergangenheit, kann sicherlich auch nicht seine eigenen Gliedmaßen bewusst als "meins" identifizieren, so wie ich meinen Arm zu meiner Person als zugehörig empfinde,[…]“

Das ist ein sehr seltsamer Satz und zeugt von einer gewissen Arroganz dem Tier gegenüber. Viele Tiere sind durchaus in der Lage, sich an Vergangenes zu erinnern oder für die Zukunft zu planen. Sie leben in, zum Teil, komplexen sozialen Verbänden und kommunizieren miteinander. Außerdem bist du dir deiner Gliedmaßen 99,9% des Jahres nicht bewusst. Sie funktionieren einfach. Erst wenn du dir die Mühe machst, über deinen Arm nachzudenken, bist du dir deines Armes bewusst.

Zu deinen Fragen:
1. Inwiefern ist es ethisch zwingend, auf den Konsum von Produkten zu verzichten, durch deren Produktion bei Tieren Leid entsteht? Sekundär auch: Wie sehr muss man dafür Einschränkungen der eigenen Gesundheit hinnehmen?

Das kommt darauf an, wie du deinen Platz und den Platz deiner Mitgeschöpfe in der Welt definierst.
Die Frage vom ethischen Zwang kannst du dir mit der Beantwortung der zweiten Frage selbst beantworten. Grundsätzlich hast du in unserer modernen Gesellschaft als Vegetarier oder Veganer bei bewusster Ernährung keinerlei gesundheitliche Einschränkungen zu befürchten.

2. Ist das Leid einer Kuh so zu bewerten wie das Leid eines Menschen? Unter welchen Bedingungen leidet eine Kuh überhaupt, und ist es schlimm, wenn sie leidet? (Die Kuh soll nur ein Beispiel-Tier sein. Wir können alternativ auch alle anderen involvierten Nutztierarten einsetzen.)

Schau mal hier rein (und lass Anja nicht zuschauen): http://www.peta.org/feat/ChineseFurFarms/index.asp

Das ist zwar in China, aber bei uns zuhause wird auch nicht gut mit Tieren umgegangen:
http://www.petatv.de/video/Undercover-Schlachthof-Video%3A-Todesschreie-...

http://www.tierschutztv.de/videos/schweinemast-dsl.asf

http://www.petatv.de/video/Der-Wiesenhof-Skandal-/cdf9214a5d09336c0c4e8a...

http://www.petatv.de/video/PETA-Undercover-Video%3A-Stopfleber-Produzent...

Ich finde niemand hat das Recht so mit Tieren umzugehen. Weder beseelt noch unbeseelt. Du kannst auch keinen Stein mit einem lebenden Wesen vergleichen.
Womit ich ein Problem habe, ist gerade diese industrielle "Fertigung" und diese Bigotterie im Umgang mit Tieren. Die meisten sehen nur noch das Stück Fleisch was in der Theke liegt, oder das abgepackte, in Plastik verschweißte Fleisch im Kühlregal. Selber ein Tier zu töten würde wohl kaum einer übers Herz bringen. Da ist es doch schon sehr bequem, sich das anonym in irgendwelchen Schlachtereien von irgendwelchen Arbeitern für einen erledigen zu lassen. Da sehe ich lieber Onkel Franz, der hinter dem Haus seine Karnickelzucht hat und in regelmäßigen Abständen eins selbst um die Ecke bringt um es sich abends lecker reinzufahren. Industriell hält man seine Hände rein und lässt die Drecksarbeit jemand anders machen. Ganz anonym. Und im Kopf erzählt man sich selbst ein Märchen, dass es den Viechern vorher einigermaßen gut gegangen ist, sie schmerzlos zum Schlachter transportiert werden und dort sanft ins Jenseits befördert werden um den Menschen mit ihrem Leib zu dienen und zu ernähren.
Ich bin selbst weder ein Missionar noch ein Engel unter den Vegetariern. Ich esse Milchprodukte, Eier und neuerdings auch wieder ein wenig Fisch. Allein schon der Käse den ich verzehre, ist eigentlich nicht sehr vegetarisch. Die Kuh muss schließlich kalben um Milch zu geben und das regelmäßig, so 5-6 Mal in ihrem kurzen Leben, bis sie unrentabel, also geschlachtet wird. Das Kalb kommt in die Wurst oder wird zur nächsten Milchkuh. Das Lab in den Kalbmägen wird dann zusätzlich zur Käseproduktion verwendet. Alles in allem macht mich das schon wieder zu einem Tierfreund, gell?
Aber ich versuche mir einzureden, dass ich bewusster mit Tierprodukten umgehe oder wegen mir kein Tier sterben muss...was natürlich nicht stimmt. Aber ich denke, ein wenig über den ganzen Quatsch den wir so täglich anstellen mal nachzudenken, schadet nicht.

Hier noch ein paar weiterführende Links zu dem Thema:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tierrechte
http://de.wikipedia.org/wiki/Tierethik
http://www.soylent-network.com/index.htm
http://maqi.de/

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Hey Lou, vielen Dank für Deine Antwort! Beim Durchlesen hatte ich den Eindruck, dass Dich mein Artikel auch etwas wütend gemacht hat. Aber das ist ja auch genau das, was ich als Reaktion wollte - die persönliche Empfindung. Und ich kann auch einsehen, dass Dich einiges von dem, was ich schrieb, wütend macht. (Wenn ich das denn überhaupt richtig in Deine Antwort hineininterpretiert habe.)

Ich schätze Deine Meinung sehr und habe Respekt davor, dass Du auch die Konsequenz aus Deiner ethischen Sichtweise ziehst. Über den Großteil Deiner Antwort werde ich im stillen Kämmerlein nachdenken. Vor allem die Links werde ich mir durchlesen. Die PETA-Videos werde ich aber heute auf keinen Fall mehr anschmeissen. Das letzte mal, als ich ein Video von denen gesehen habe, kriegte ich es wochenlang nicht aus meinem Kopf!

Aber ein paar Kommentare habe ich schon. Die berührend nicht den Kern Deines Arguments, sondern sozusagen nur das Drumherum.

Zitat von Lou:
Der andere hohe Herr treibt sich in einem Forum rum, in dem die Benutzer mit ähnlicher Lebenseinstellung den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als über das Thema zu diskutieren, Du hast dich noch nicht wirklich mit der Materie auseinandergesetzt und verlangst, dass mizzimuzzi die Grundlagen zum Vegetarier/Veganer sein, in einem Thread der um einen Fleischersatz geht, erklärt.

Ein bisschen anders ist es schon. Ich habe mir den gesamten Diskussionsthread durchgelesen, und der Eindruck ist schon sehr stark in mir entstanden, dass die beiden Hardcore-Veganer da in dem Bewusstsein der eigenen totalen Überlegenheit mildtätig ein paar Krümel unter das Vegetarier-Fußvolk streuen. Vieles von dem, was sie da schreiben, ist wirklich hanebüchen und extrem schlecht durchdacht. Und da ist auch ab und an dieses Motiv: "Ich sag jetzt mal nichts dazu, aber blablubb... schwafel.. bla...". Das finde ich recht inkonsequent. Es gibt da auch durchaus andere Veganer (?), die sehr viel kommunikationsbereiter sind. Die beiden von mir zitierten scheinen zu glauben, dass sie im Besitz der totalen Wahrheit sind.

Und dass ich mich noch nie mit dem Thema beschäftigt habe... Tut mit leid, wenn der Eindruck entstanden ist. Aber ich setze voraus, dass so gut wie jeder Mensch sich schon häufiger mit dem Thema beschäftigt hat. Ich habe mich mit Vegetariern und Veganern unterhalten - und die sind nicht alle so bewusst-durchdacht wie Du. Mit Ethik und Moral habe ich mich auch schon öfter beschäftigt. Ansonsten würde ich mich gar nicht in der Lage fühlen, einiges von dem, was ich zitiert habe, als naiv zu bezeichnen. Das sind sehr schwierige Themen.

Zitat von Lou:
Mich erstaunt, dass du noch offensichtlich nicht nicht darüber nachgedacht hast, was ein Tier denkt oder fühlt.

Wenn ich das mal anmerken darf: doch, habe ich. Aber ich fand Hofstadters Ausführungen wesentlich beeindruckender und "besser auf den Punkt gebracht", also prägnanter, als meine eigenen Gedanken zu dem Thema.

Zitat von Lou:
„Ein Schwein denkt nicht an Zukunft oder Vergangenheit, kann sicherlich auch nicht seine eigenen Gliedmaßen bewusst als "meins" identifizieren, so wie ich meinen Arm zu meiner Person als zugehörig empfinde,[…]“

Das ist ein sehr seltsamer Satz und zeugt von einer gewissen Arroganz dem Tier gegenüber. Viele Tiere sind durchaus in der Lage, sich an Vergangenes zu erinnern oder für die Zukunft zu planen. Sie leben in, zum Teil, komplexen sozialen Verbänden und kommunizieren miteinander. Außerdem bist du dir deiner Gliedmaßen 99,9% des Jahres nicht bewusst. Sie funktionieren einfach. Erst wenn du dir die Mühe machst, über deinen Arm nachzudenken, bist du dir deines Armes bewusst.

Es geht nicht darum, ob die Vorstellung von der Existenz meines Arms ständig einen aktiven Platz in meinem Bewusstseinsstrom einnimmt oder nicht, sondern um die Fähigkeit, sich bestimmte Dinge bei Bedarf bewusst zu machen, und wie komplex die Dinge sein können, die man sich bewusst machen kann. "Diese Dinge" nennt Hofstadter "Symbole", und ich finde diesen Begriff sehr praktisch. Und das entsprechende Bewusst-Machen findet in dem Teil des Verstandes statt, der symbolhaft denkt. Und da gibt es schon sehr gravierende Unterschiede zwischen Schwein und Mensch. Der Mensch ist von seiner Veranlagung her dazu in der Lage, ein unbegrenztes Symbolsystem auszubilden. Das liegt daran, dass wir viele Symbole zu einem neuen zusammenfassen können, und dass wir Symbole heranbilden können, die sich auf andere Symbole beziehen. Bei Hunden kannst Du das sehr begrenzt beobachten; da ist sozusagen die "Verschachtelungstiefe" sehr begrenzt. Beim Menschen ist sie prinzipiell unendlich, nicht zuletzt auch deswegen, weil wir Symbole teilweise auch nach aussen verlagern, so wie jetzt zum Beispiel.

Und dadurch entsteht auch das bewusste Selbst, das ein Symbolkomplex in unserem Denken ist, den wir mit dem Symbol "ich" zusammenfassen. Das Ich-Symbol eines erwachsenen Menschen ist schwindelerregend komplex: Ich kann über mich nachdenken, mich fragen, was ich jetzt tun soll, und mich erinnern was ich getan habe. Und immer ist das Symbol "ich" dabei involviert. Während ich mich an etwas erinnere, was ich getan habe, ist das Ich-Symbol nicht nur mit den Handelnden in der Erinnerung verknüpft, sondern ich weiß in dem Moment auch, dass "Ich" es ist, der sich jetzt grade erinnert! Und das "ich"-Symbol taugt sogar zur Vorhersage: Ich kann mich im Geiste in Situationen versetzen, die niemals statt finden und mich fragen, wie ich auf solche Situationen reagieren würde. Sogar Dich kann ich einbeziehen, also das "Lou"-Symbol in meinem Kopf, und mir eine Interaktion zwischen uns vorstellen, die sich so vielleicht in Wirklichkeit niemals ereignet. Das sind wirklich sehr komplexe Symbole. Und an meinem Verhalten kann man ablesen, dass ich in meinem Denkapparat zwangsläufig solche komplexen Symbole haben muss, weil ich sonst zu gewissen Taten nicht fähig wäre. Bei einer Mücke sieht die Lage anders aus; sie handelt so, als hätte sie nur sehr einfache Symbole, die auch nicht miteinander kombiniert werden. Die Aktivierung der Symbole im Kopf einer Mücke löst nur bestimmte körperliche Reaktionen aus, aber Symbole beziehen sich bei einer Mücke nie auf andere Symbole. Darum habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich eine Mücke erschlage.

Es kann sein, dass diese Darlegung von mir jetzt unverständlich ist. Im wesentlichen wollte ich zeigen, dass hinter meinem Aufsatz durchaus mehr steckt als so ein platter Gedanke in der Art von: "Oh, höhö, Schweine sind voll doof, darum kann man die einfach umnieten, haha." Und die Arroganz dem Tier gegenüber, die Du mir beimisst, interpretiere ich so, dass Du meinst, ich würde sozusagen den Menschen für die Krone der Schöpfung halten und in dieser selbstbeweihräuchernden Verblendung völlig übersehen, dass Tiere auch eine schützenswerte Existenz haben. Eigentlich solltest Du mich besser kennen. Und außerdem habe ich mich über ein ähnliches Denken auf Seiten der zitierten Veganer ja grade selber aufgeregt.

Zitat von Lou:
Schau mal hier rein (und lass Anja nicht zuschauen): ...

Ich bin mir jetzt eigentlich unsicher, ob ich mir die grausamen PETA-Videos überhaupt anschauen werde. Meine Frage ist nicht, ob die sichtbare Grausamkeit real ist - das ist sie zweifellos. Ich suche nicht nach emotionalen Argumenten, ich will keine Videos, die "mein Herz überzeugen". Ich fürchte, wenn das Herz von solchen Videos oder emotionalen Appellen gerührt wird und den Verstand mitreisst, dann kommt es dazu, dass man irgendwann gar nicht mehr so genau darüber nachdenkt, ob die Argumente, die man vorbringt, stimmig und beweisbar sind, solange sie nur gut klingen. Diesmal will ich nicht mit dem Herzen verstehen, ich will nicht wütend werden, will keine Tränen über Tierleid vergiessen. Diesmal will ich mit dem Kopf verstehen. Ich will rationale Argumente. Ich will Erklärungen, logische Schlussfolgerungen. Auch wenn sich nicht alles bis ins kleinste Detail beweisen lässt, gibt es oft gute Gründe dafür, bestimmte Denkweisen als plausibler anzunehmen. Solche Videos sind da nur von begrenztem Wert. Denke ich.

Zitat von Lou:
Ich finde niemand hat das Recht so mit Tieren umzugehen. Weder beseelt noch unbeseelt. Du kannst auch keinen Stein mit einem lebenden Wesen vergleichen.

Ich bin mir ganz sicher, dass ich Dir zustimmen würde, wenn ich die Videos gesehen hätte. Was aber den Stein angeht: vergleichen kann man schon, nur stellt man bei dem Vergleich fest, dass es gravierende Unterschiede gibt. Vergleicht man ein Schwein mit einem Menschen, wird man auch Unterschiede feststellen. Und meine Behauptung war, dass die Unterschiede zwischen einem Stein und einem Menschen größer sind als die zwischen einem Schwein und einem Menschen. Reihst Du jetzt noch den Vergleich zwischen Mensch und Mücke ein - wo kommt der Unterschied hin? Meiner Meinung nach zwischen Stein und Mücke.

Du ziehst auch Grenzen, selbst wenn Du das nicht erwähnt hast. Wenn Du gehst oder Auto fährst, dann zerquetscht Du dabei viele kleine Insekten und noch kleinere Lebewesen. Haben die kein Recht auf Leben? Was ist mit den Mücken, die auf einer Windschutzscheibe sterben, wenn man über die Autobahn fährt? Wieso blockieren wir nicht eine Autobahn und machen einen Sitzstreik gegen das Mückensterben?

Wenn dieser Vergleich mit den Insekten Dir absurd vorkommen sollte, erinnere Dich an die Jain. Die gehen nur mit Mundschutz durch die Gegend und kehren mit einem Besen den Weg, auf dem sie gehen, weil sie das nämlich ernst nehmen. Die setzen die Grenze noch tiefer als Du und halten auch das kleinste Leben für schützenswert. Und genau da klappt das mit den PETA-Horrorvideos (nur leider über realen Horror) nicht mehr: Wir könnten uns auch vorstellen, dass die Gruppe PETSmaLF (People for the Ethical Treatment of the Smallest Life Forms) Mikroskop-Videos veröffentlicht, in denen man sieht, wie Mücken in Zeitlupe auf Windschutzscheiben zerplatzen. Die inneren Organe platzen langsam hervor, die Facettenaugen trennen sich auf, es ist einfach ekelhaft. Und wenn Du Dir erst das Video über Milben anschaust - buäh!

Ich weiß nicht ob das genau so eklig wäre wie die Tiervideos, aber was ich damit sagen will: Du ziehst irgendwo eine Grenze, mit welchem Leben Du Mitleid hast. Die PETA-Filme wirken auf den ersten Blick enorm beeindruckend, aber auf den zweiten Blick begründen sie nichts. Für Mücken könnte man auch so eklige Videos drehen, warum protestieren wir nicht für Mücken? Oder für irgend eine Lebensform zwischen der Mücke und dem Schwein? Was ist mit Würmern, Ameisen, Spinnen, Fröschen? Wo ist die Grenze zu ziehen? - Ich bin der Meinung, dass man genau die zwei Fragen stellen muss, die ich gestellt habe, um da eine sinnvolle Antwort zu finden. Eine Antwort, die nicht nur das Herz, sondern auch den Kopf überzeugt. Und wenn man diese Fragen dann stellt, dann ist das meiner Meinung nach kein Zeichen von Arroganz gegenüber dem Tier, sondern eher im Gegenteil ein Zeichen dafür, dass einem eine neutrale, "un-arrogante" Ethik sehr wichtig ist.

Allem anderen, was Du geschrieben hast, stimme ich intuitiv zu. Und ich denke, ich werde Dir nach weiteren Überlegungen wohl auch verstandesmäßig zustimmen. Vorher muss ich aber noch viel lesen und nachdenken - denn in einem bin ich mir sicher: Obwohl ich mir zwar schon Gedanken über das Thema gemacht habe, bist Du mir im Gedanken-Machen zu diesem Thema weit voraus. Darum nochmal vielen Dank, dass Du Deine Gedanken mit mir teilst!

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

puh,
dieses ganze Symbol Gequatsche ist für mich zuviel heute und zu Kopflastig.
Prometheus hat den Tieren den Tod gebracht und uns die Kultur. Und unsere Kultur ist eine von wahnsinnigen Affen mit viel zu großen Gehirnen und seltsamen moralischen Vorstellungen und Glaubensätzen. Der Katholik geht Sonntags in die Kirche und mißbraucht abends seine Tochter, man sehnt sich nach den Sternen macht aber seinen eigenen Planten kaputt. In vierzig Jahren sind wir eh tot und unsere potentiellen Kindern müssen mit unseren getroffenen Entscheidungen leben. Den Käfer an der Windschutzscheibe töte ich nicht mit Absicht, während ich mit Wissen und Absicht Abgase in die Welt blase, die unsere gesamte Welt töten, ein Auto fahre, für dessen Bau schon ein schönes Stück der Umwelt plattgemacht wurde und ein T-Shirt trage für das kleine Kinderhände unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten mussten. Ich fahre mir das Promidinner rein und fresse mich um den Verstand, während irgendwo in der Welt in meiner Mahlzeitzeit hunderte von Kindern an Unterernährung sterben. Ich werde von den Medien mit Ängsten, Wünschen und Ideen gefüttert, die ich wieder ungefiltert in die Welt herauskotze ohne das sie mich wirklich betreffen oder das ich mir wirklich selbst Gedanken mache. Ich kacke in ein Loch und lasse meinen Abfall abfallen und mich interessiert nicht im Geringsten was am Ende damit passiert. Diese gesamte Veganer Kacke dient letztendlich nur dazu um sich gut zu fühlen oder auch überlegen. Aber seit wir das erste Feuer angezündet haben, sind wir konsequent Irre. Ist denn nich eigentlich alles egal? "JA!" sag ich heute "NEIN!" sag ich morgen. Ich erschlage eine Fliege, weil sie mich stört, bin aber gestört von Fliegenbannern an Fliegenrücken. http://www.youtube.com/watch?v=ldC7FQiUJ6s
Wir suchen unser Leben lang mit unseren kranken Riesenhirnen nach dem Sinn des Lebens und können nicht erkennen, dass das Leben gar keinen Sinn kennt, sondern nur Reproduktion. Wir zerbrechen an unseren Eltern, weil sie ihre kranken Gedanken in uns eingepflanzt haben die wir nicht verstehen wollen oder können und ziehen uns Kinder ran denen es genauso geht. Der eine ist Machtgeil und ihm ist alles egal und der andere ist unterwürfig bis zur Selbstaufgabe und dem ist schon längst alles egal.

So, stopp jetzt. Ich bin mies drauf heute, bin voll am Thema vorbei und werfe dir ungefragt meinen Gedankenmüll hin.
Zum Thema: Grundsätzlich ist jeder für seine eigenen Handlungen und deren Konsequenzen verantwortlich. Ich brauche keinen Universialgelehrten um Entscheidungen zu treffen und auch keine abstrakten Vorstellungen von Symbolverknüpfungen in Bewusstseinen. Ich versuche Tod und Leid zu vermeiden und töte mit Verantwortung, Wissen und Absicht. Wenn ich ein paar Insekten bei meinen Spaziergängen plattmache, mach ich das nicht mit Absicht, aber der Tod gehört nun mal auch für Insekten zum Leben. Ohne den Tod kein Leben und umgekehrt. Viva la muerte! Jeder muss das aber für sich selbst ausmachen. Eye-wink

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Hmm. Also... da ist schon einiges an Selbst-Widersprüchlichkeit in dem, was Du geschrieben hast. Und ich für meinen Teil schätze die Gedanken von Gelehrten, weil ich glaube, dass ich dadurch die Welt besser verstehen lernen kann. Und ich glaube, dass ich besser handeln kann, wenn ich die Welt besser verstehe.

Solange Du weisst, dass Mücken sterben, wenn Du Auto fährst, kannst Du nicht behaupten, dass Du das nicht absichtlich machst. Das ist doch genau dasselbe wie das, was Du bei den Fleischfressern kritisiert hast: Dass sie Fleisch nur noch als abstrakte Ware ansehen, die nichts mit Tieren gemein hat und die sie im Supermarkt kaufen, ohne all das Leid zu sehen. Bei den Mücken ist es dasselbe - Du kratzt am Ende nur ihre kleinen, nicht mehr tierähnlichen Kadaver von der Windschutzscheibe und versteckst Dich hinter der Behauptung, Du hättest das nicht absichtlich herbei geführt. Hast Du aber. Weil Du (spätestens seit dieser Diskussion!) genau weisst, was passiert, wenn Du Auto fährst.

Und bevor das Thema "Mückensterben" zu verbissen wird - es ist nur ein Beispiel. Kein schlechtes Beispiel vielleicht, aber nur ein Beispiel. Ich wollte Dir damit zeigen, dass Du eine Grenze ziehst. Schmierlapp hat mich letztens an ein anderes Beispiel erinnert, das eigentlich noch viel gravierender ist: Durch das Autofahren sterben verdammt viele Menschen. Das sind alles verhinderbare Tode. Die Verkehrstoten, die bei Unfällen im Straßenverkehr auftreten! Und das ist durchaus nicht von der Hand zu weisen. Wir könnten die Tode verhindern, indem wir Autofahren verbieten würden. Warum tun wir's nicht? Wem das zu radikal ist: Einen Teil der Tode könnten wir verhindern, indem wir z.B. die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 80 km/h setzen, oder die Höchstgeschwindigkeit in Städten auf 30 km/h. Oder indem wir die Strafen für zu schnelles Fahren verdoppeln.

Wieso tun wir das nicht? Wäre es nicht geboten? Wenn es mehr Verkehrstote gäbe - würden wir es dann tun? Sicherlich. Stell Dir vor, jedes Jahr kämen durch Verkehrsunfälle eine halbe Million Menschen um's Leben. Dann wäre das Autofahren aber sofort verboten. Von heute auf morgen. Was wäre bei 50.000 Unglücksopfern? 10.000? 5.000? Wo ist die Grenze?

Was einem bei solchen unangenehmen Überlegungen bewusst werden sollte: Leben hat durchaus einen Preis, einen Wert den man beziffern kann. Es betrifft nicht nur den Straßenverkehr; fast alles was wir im Kollektiv tun, jegliches globale Handeln, hat Nachteile, Einschränkungen, Gesundheitsbedrohungen oder gar Tode für gewisse Menschen zur Folge. Und ständig bezahlen wir diesen Preis. Würden wir alle zuhause bleiben und nichts tun, würde auch keiner sterben. Aber halt! Natürlich würde selbst dann jemand sterben - nämlich all jene, die z.B. auf tägliche Medikamente angewiesen sind, und ähnliche.

Tod ist unvermeidbar und gehört zum Leben dazu. Egal, was wir tun, wir können den Tod und das Leid nicht verbannen. Die Veganer, die sich Gedanken darüber machen, wie viele Kühe pro Ladung Ledergürtel sterben müssen, halten sich für die besten Menschen der Welt, wenn sie auf Milch und Eier verzichten. Sie bezichtigen die Vegetarier des "Selbstbelügens" - aber wenn sie Auto fahren, wenn sie Bus fahren, wenn sie Strom beziehen, dann belügen sie sich doch selbst! Ist es schlimmer, wenn die Kühe sterben, oder ist es schlimmer, wenn Menschen sterben?

Ich meinte, das seien keine einfachen Fragen. Für Dich ist es okay, dass Du Dir sagst, Du gehst bewusst mit dem Thema um, isst praktisch kein Fleisch, und das ist dann auch okay so. Aber ich sehe gute Gründe dafür zu behaupten, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. Deswegen meine Überlegungen, schon seit Jahren eigentlich. Deswegen dieser Blogeintrag.

Ich will auch nicht resignieren. Und ich weiß, dass es ziemlich anstrengend ist, diese schweren Gedanken zu wälzen. Aber ich will es endlich mal tun. Damit mich das Thema vielleicht irgendwann endlich mal in Ruhe lässt und damit aufhört, wie ein verdrängtes schlechtes Gewissen ständig in meinem Hinterkopf herum zu spuken.

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Beim gestrigen Einkauf habe ich weniger Fleisch gekauft. Alle Fleischprodukte, die in unseren Einkaufswagen gewandert sind, hat meine Freundin hineingetan. Sogar Sojamilch habe ich gekauft, und Sojapudding! Abgesehen davon Valess (das Fleischersatzprodukt) und jede Menge anderer Veggie-Produkte. Alles, was ich so im Edeka und Aldi finden konnte und das nicht direkt verdächtig aussah.

Mein Frühstück heute verlief fleischlos. Dabei habe ich mich nicht unter Druck gesetzt - das Fleisch lag die ganze Zeit in Reichweite. Aber irgendwie war mir heute nicht danach. Für's Mittagessen hatten wir heute eigentlich Kassler vorgesehen. Aber jetzt sind wir zu faul, das zuzubereiten. Also wird's wohl doch Valess werden. Bin schon sehr gespannt darauf, ob das was taugt.

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Zitat:
Tod ist unvermeidbar und gehört zum Leben dazu. Egal, was wir tun, wir können den Tod und das Leid nicht verbannen. Die Veganer, die sich Gedanken darüber machen, wie viele Kühe pro Ladung Ledergürtel sterben müssen, halten sich für die besten Menschen der Welt, wenn sie auf Milch und Eier verzichten. Sie bezichtigen die Vegetarier des "Selbstbelügens" - aber wenn sie Auto fahren, wenn sie Bus fahren, wenn sie Strom beziehen, dann belügen sie sich doch selbst! Ist es schlimmer, wenn die Kühe sterben, oder ist es schlimmer, wenn Menschen sterben?

Beiders ist schlimm. Das eine ist nicht schlimmer als das andere. Ich habe heute in ein Brötchen gebissen, dass vermutlich aus billigem afrikanischem Weizen gemacht wurde. Fress also denen das Essen weg. Genau das treibt mich heute um. Manchmal erkenne ich die ganze Widersprüchlickeit und Verlogenheit von Allem und denke mir: "Wofür das denn überhaupt alles? Wieso mache ich dies und jenes? Das hat doch keinen Sinn..." Mücken an der Autoscheibe oder auf meiner flachen Hand. Fickt euch ihr Mückenwichser. Ein Pferd erschlägt mit dem Schweif auch den Parasit und der Hund kaut auf dem Floh rum. Mücken finde ich nun wirklich nicht schützenswert und wenn ich sie töte lass ich sie nicht leiden. Außerdem muss ich nicht zum Superöko werden. Spinnen kann ich übrigens wie dein Kollege auch nicht leiden, aber ich versuche die noch irgendwie aus der Wohnung zu scheuchen wenns geht. Die Marienkäferhorde hab ich auch leben lassen. Ethik ist ein Arschloch. Man kann sich auch so ethisch und moralisch verhalten, dass man sich selbst in ein itsebitze Moralgefängnis sperrt. Ich bin nicht mehr der Affe der auf dem Baum oder in der afrikanischen Savanne hockt und ne Banane pellt, ich bin einer von den verrückten Pennern mit Feuer. Ich kann nicht mehr zurück.

Mach einfach wie du meinst, dass ist schon richtig so und das meine ich ernst.

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Zitat von Lou:
Mach einfach wie du meinst, dass ist schon richtig so und das meine ich ernst.
Danke. Es hat mir wirklich geholfen, dass Du Deine Meinung hier hingeschrieben hast. Leider sind meine Möglichkeiten im Moment stark durch meinen inneren Schweinehund begrenzt. Valess schmeckt super, ist von echtem Fleisch absolut nicht zu unterscheiden - werd ich weiterhin essen. Ist aber leider u.a. aus Kuhmilch hergestellt. Und die mit Vanille versetzte Sojamilch will mir im Moment nicht so richtig munden.

Ich versuch's einfach weiter, peu à peu. Und ich höre nicht auf, dabei auch darüber nachzudenken, was ich da tue.

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Ich habe gehört, dass Vegetarier Probleme beim Kickern und beim Zielen haben. Ansonsten sollen sie ähnlich gut durchs Leben kommen wie Veganer oder Fleischkonsumenten Eye-wink

Mal im Ernst: Ich finde die Meinung von mizzimuzzi durchaus logisch nachvollziehbar. Jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden, was er für richtig hält. Wenn man tatsächlich aufgrund des Leidens der Tiere vom Fleischverzehr absehen möchte, erscheint es schon absolut logisch auch Milch und Eier oder Produkte wie Leder etc. zu meiden. Fraglich ist allerdings, ob man damit dann glücklich wird. Sollte man reiten? Oder ein Haustier haben? Ist das wirklich gut für die Tiere? Oder sind sie glücklicher, wenn sie unter gefährlicheren Bedingungen im Wald leben und dann Opfer stärkerer Tiere werden? Sind die Tiere, die dort getötet und gefressen werden glücklich?
Natürlich kann man auch recht absurde Thesen aufstellen und damit seinen Fleischkonsum (für sich selbst) moralisch rechtfertigen. Im Kern ist es absolut korrekt, dass die Massentierhaltung mit der Zielrichtung Nahrungsproduktion die Tiere vielfach unnötig leiden läßt - und die grundsätzliche Vorgehensweise hinterfragenswert ist. Ich persönlich möchte das ganze Thema gar nicht in diesem Umfang hinterfragen. Ich esse gern Fleisch, und das möchte ich mir auch nicht verleiden lassen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich mit einem gewissen Einblick in entsprechende Beispiele der Tierzucht das ganze Thema deutlich skeptischer sehen würde.

Unterm Strich kann ich es verstehen, wenn jemand Vegetarier oder sogar Veganer ist - das ist aber ein Schritt, den ich mir für mich nicht vorstellen kann.

Re: Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?

Hallo NickTheBig,

schön, dass Du Dich angemeldet hast. Smiling Und danke für Deine Meinung; mir gefällt Dein Pragmatismus.

Ich teile Deine Meinung, dass ich mir nicht vorstellen kann, ganz auf Fleisch/Ei/Milch zu verzichten. Aber vor etwas mehr als einem Jahr hätte ich es mir nicht vorstellen können, ganz auf Nikotin zu verzichten. Aktuell probiere ich herum - ich esse sehr viel mehr vegetarisch, und teilweise auch vegan. Stellenweise richtig übel, aber stellenweise auch gar nicht so schlecht!

Zu mizzimuzzi/funkymunky: Kann sein, dass ich mit meinem harten Urteil über die Herrschaften ein wenig übertrieben habe. Aber die künstliche Befruchtung einer Kuh mit einer menschlichen Vergewaltigung gleichzusetzen, oder die Tierhaltung beim Biobauern mit Versklavung - da lehnt man sich nicht weit aus dem Fenster, wenn man sowas als hahnebüchen bezeichnet, finde ich. Hinzu kommt die Einstellung, die ich für arrogant im negativen Sinne halte.

Aber letztlich stimme ich den beiden ja in den Kernpunkten zu. Meine negative Einstellung zu ihrer Darstellung gründet sich vielleicht auch auf die Angst, ich könnte zu so einem weltfremden Öko-Veganer-Freak werden. Buäh!

Aber wie gesagt: danke für Deine Meinung. Sie ist für mich auf jeden Fall hilfreich für die eigene Meinungsbildung.

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