Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern sich zu Moral und Ethik"

Es gibt scheinbar einen neuen Trend unter Wissenschaftlern: In Talkshows, Interviews und öffentlichen Präsentationen äußern sie sich jetzt nicht mehr allein zu den fachlichen Themen ihres Gebiets, sondern geben auch immer häufiger Auskunft über moralische und ethische Implikationen ihrer Forschung. Das ist insofern heikel, da seit Descartes eine Art ungeschriebenen Gesetzes besteht: dass die Wissenschaft Aussagen über die Funktionsweise der Welt macht, und die Religion doziert über Moral und Ethik. Kann es sein, dass diese alte Regel nun bricht?

Gut wäre es auf alle Fälle. Wer würde nicht einer Gruppe erfahrener Psychologen oder sogar Biologen eher ein fundiertes ethisches Urteil zutrauen als einer Bischofskonferenz? Doch bei dieser Betrachtungsweise ist etwas wichtiges vergessen worden, nämlich dass die Philosophen schon seit Jahrhunderten, gar seit Jahrtausenden, sehr fundierte Aussagen über Ethik und Moral machen. Jeder kann es nachlesen, ob nun bei Plato und Sokrates oder bei Kant und Hegel.

Nun gut, aber keiner beachtet die Philosophen, könnte man sagen. Aber das stimmt nicht. Die Ideen der anerkannten Philosophen wirkten sehr prägend nicht nur für unser Rechts- und Staatssystem, sondern auch für Studentenaufstände und andere Bewegungen.

Auch könnte man meinen, Philosophie sei ja nur eine halbe Wissenschaft. Während Physiker ganz, ganz präzise messen und sehr exakte Berechnungen durchführen, sitzt der Philosoph nur auf seinen vier Buchstaben und erträumt sich seine Philosophie. Dem wäre aufs Äußerste zu widersprechen. Die Philosophie ist der Rahmenbegriff, der alle Wissenschaften in sich fasst. Ursprünglich gab es die Philosophie, und Mathematik, Physik, Alchemie und so weiter, formten sich als Teilgebiete aus ihr heraus. Auch heute kann man sie noch als der Philosophie untergeordnet betrachten. Denn die wissenschaftliche Methode, die allen Wissenschaften zugrunde liegt, ist zentraler Bestandteil der Philosophie.

Außerdem sitzen Philosophen nicht nur auf ihren vier Buchstaben und erträumen sich eine Fantasiewelt. Philosophie heißt ja nicht umsonst übersetzt "Liebe zum Wissen". Der Philosoph versucht, Erkenntnisse über die Realität zu gewinnen, durch Anwendung folgerichtigen Denkens und der wissenschaftlichen Methode. Zu diesem Zwecke bedient er sich natürlich der Ergebnisse und Folgerungen der Naturwissenschaften.

In der philosophischen Praxis sieht es bisweilen doch schon so aus, dass eine allzu moderne Ausrichtung eines Philosophen auf moderne wissenschaftliche Erkenntnisse von anderen Philosophen oft als zu avantgardistisch wahrgenommen wird und als verpönt gilt. Das liegt aber nicht nur an der vermeintlichen Konservativität der Philosophen, sondern auch daran, dass eine große Gefahr besteht, Erkenntnisse aus sehr speziellen wissenschaftlichen Gebieten falsch zu interpretieren und sie zu überdehnen, wenn man nicht voll und ganz mit der betreffenden Wissenschaft vertraut ist. So findet sich beispielsweise in vielen zeitgenössischen New-Age-Büchern eine Fülle von Interpretationen von Erkenntnissen der Quantenphysik, die allesamt auf falschem Verständnis beruhen, meist in der Art, dass man wissenschaftlich exakt definierte Begriffe einfach mal so wie ähnliche Alltagsbegriffe interpretiert. Die Quanten-Verschränkung wird dann schnell zum Vorwand für die Behauptung, die Wissenschaft habe bewiesen, dass wir alle spirituell miteinander verbunden sind. Es spricht daher für die philosophische Praxis und nicht gegen sie, dass die Philosophen solche Übertragungen von einer Naturwissenschaft hin zur philosophischen Erkenntnis nur mit äußerster Vorsichtigkeit vornehmen, um solche Risiken auszuschließen.

Ich finde also, dass der aktuelle Trend überhaupt keine neue Sache ist. Schon gar nicht würde ich das als einen "Schlag ins Gesicht" für die religiösen Autoritäten betrachten. Wenn ein Neuropsychologe sich auf eine Bühne stellt und einen Vortrag über eine neuropsychologisch begründete Sichtweise auf die Begriffe von Gut und Böse hält, dann ist das eher ein Fingerzeig in Richtung der Philosophie. Die Botschaft könnte entweder lauten: "Ey Philosophen, macht mal euren Job besser, sonst übernehmen wir ihn!", oder: "Liebe Philosophen, seht her, wie schön wir euch mit modernen Erkenntnissen bei eurer Arbeit unterstützen können."

Ich tendiere zu letzterem. Aber die Religion würde ich dabei außen vor lassen.

Deine Bewertung: Keine Average: 2 (3 votes)

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern ...

Wissenschaftlern sollte man nicht unbedingt Urteile in Sachen Ethik&Moral überlassen. Wissenschaftler haben die Angewohnheit, sich über bestehende Ethiken oder Moralvorstellungen hinwegzusetzen um ihre Forschungen durchzuführen. Ich denke hierbei beispielsweise an das dritte Reich oder aktueller an Genetik.

Wirt zu Descartes: "Noch ein Bier?"
"ich denke nicht." und er verschwand.
Hehe, was für ein lahmer Witz...

Descartes hat zum Beispiel den Hund seiner Frau an den Pfoten an die Wand genagelt und lebendig seziert um seine Hypothesen zu untermauern. Er ist übrigens auch für das heutige Bild des Tieres in der Gesellschft mitverantwortlich aufgrund der Annahme, dass nur Menschen eine "Seele" haben. Das Sezieren von lebendigen Tieren verbreitete sich danach bis zur Aufklärung in ganz Europa. (Habe ich gerade gelesen...)

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern ...

Zitat von Lou:
Ich denke hierbei beispielsweise an das dritte Reich oder aktueller an Genetik.
Wissenschaftler im Dritten Reich? Halloooo? Hitler hat Bücher über die Evolution verbrennen lassen, weil sie sich nicht mit seiner komischen, kultisch geprägten Rassenlehre vereinen ließen. Hier hat, wie so oft, die Religion/das Religiöse die Wissenschaft verdrängt.

Oder meinst Du diese Leute, die Deinen Schädel vermessen haben und Dir dann sagen konnten, ob Du ein Herrenmensch bist oder exekutiert gehörst? Das waren keine Wissenschaftler. Was sie taten, das war vergleichbar mit Kartenlesen oder Sternedeuten. Astrologen sind genau so wenig Wissenschaftler, egal wie oft sie behaupten, welche zu sein. Nein, ich meine mit Wissenschaft das Einsetzen der wissenschaftlichen Methode zur Gewinnung von Erkenntnissen. Diese Begriffe sind recht gut definiert, da gibt es nur einen sehr geringen Deutungsspielraum. Klar ist: Was die Nazi-"Wissenschaftler" taten, hat damit nichts zu tun.

Und was meinst Du mit "Genetik"? Du spielst damit darauf an, dass Wissenschaftler gern embryonale Stammzellen verwenden wollen, um herauszufinden, wie man kranke Menschen heilen kann, nicht wahr? Dieselben (nicht die gleichen, dieselben!) embryonalen Stammzellen, die normalerweise zusammen mit den ganzen anderen Bio-Abfällen von Kliniken als Müll entsorgt werden. Ich persönlich bin absolut für eine Nutzung dieses Materials zu wissenschaftlichen Zwecken, aber selbst wenn man mir da nicht zustimmt: Dieses Thema trifft gar nicht so sehr den Kern der Sache.

Ich meinte vielmehr, dass Wissenschaftler jetzt auch Aussagen machen über Gut und Böse. Dass sie aufzeigen, wie sich verschiedene Auffassungen von Ethik gesellschaftlich auswirken. Auch dass sie erforschen, wie es dazu kommt, dass wir schon intuitiv schon bestimmte Auffassungen von Gut und Böse, Richtig und Falsch haben. Und es stellt sich heraus, dass dieses als schwammig oder vage vermutete Feld, das wir als sehr menschlich und nicht quantifizierbar, nicht erforschbar, betrachten, sehr wohl erforschbar ist. Unsere intuitiven moralischen Regeln dienen langfristig dem Erhalt der Gruppe und der Art.

Stell Dir mal vor, wir würden nicht auf Leute wie Descartes, Kant, Hegel und so weiter vertrauen. Wie würde dann unser Rechtssystem aussehen? Wie könnte z.B. ein christlich geprägtes Rechtssystem aussehen? Oder ein islamisch geprägtes? (Oh! Für letzteres gibt es ja sogar sehr reale Beispiele...)

Abgesehen davon spricht soweit ich weiß noch niemand davon, den Wissenschaftlern solche Urteile zu überlassen. (Zumal es ohnehin schwierig ist, einem nicht-hierarchischen, dezentralen Kollektiv irgend etwas zu überlassen!) Die Wissenschaftler trauen sich anscheinend nur langsam, auch mal aus ihrem Schneckenhaus zu kommen und sich aus fachlicher Perspektive zu diesen brennenden Themen zu äußern. Jetzt verschreck sie doch nicht gleich wieder!

Den Descartes-Witz finde ich übrigens lustig. Von Descartes und dem Hund habe ich noch nie vorher gehört; bin aber auch zur Skepsis geneigt, was diese Geschichte angeht (wie bei Nietzsche und dem Kutscher). Und was Deine Behauptung über Descartes Mitschuld am heutigen Tierleid angeht - ohne jetzt der große Descartes-Biograf zu sein, sehe ich da schon auf Anhieb ein paar Unstimmigkeiten:

- Die Lehre, dass Tiere keine Seele haben, ist etwas älter als Descartes. -> Siehe Bibel, Thora

- Der Begriff des Sezierens beinhaltet das tote Subjekt. Ein lebendes Tier zu sezieren, das ist genau so unsinnig wie ein schwarzer Schimmel.

- Die Kirche hatte im Mittelalter (und vorher, glaube ich), das Öffnen von Körpern verboten. Man sollte nicht hineinschauen, wie der liebe Gott seine Magie in uns wirkt. Am Ende könnte man es womöglich ja sogar verstehen!

In einer Gesellschaft, in denen es normal ist, Tiere wie Mist zu behandeln, weil die Religion uns sagt, dass die Welt uns gehört, war Descartes eher fortschrittlich. Genau so wie Darwin ja Rassist war. Aber er war sehr viel weniger krass als sein gesamtes Umfeld und der Zeitgeist. Zum Beispiel fand er nicht, so wie es damals in gelehrten Kreisen üblich war, dass Schwarze grundsätzlich böse sind.

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern ...

Zitat:
Den Descartes-Witz finde ich übrigens lustig. Von Descartes und dem Hund habe ich noch nie vorher gehört; bin aber auch zur Skepsis geneigt, was diese Geschichte angeht (wie bei Nietzsche und dem Kutscher). Und was Deine Behauptung über Descartes Mitschuld am heutigen Tierleid angeht - ohne jetzt der große Descartes-Biograf zu sein, sehe ich da schon auf Anhieb ein paar Unstimmigkeiten:

- Die Lehre, dass Tiere keine Seele haben, ist etwas älter als Descartes. -> Siehe Bibel, Thora

- Der Begriff des Sezierens beinhaltet das tote Subjekt. Ein lebendes Tier zu sezieren, das ist genau so unsinnig wie ein schwarzer Schimmel.

- Die Kirche hatte im Mittelalter (und vorher, glaube ich), das Öffnen von Körpern verboten. Man sollte nicht hineinschauen, wie der liebe Gott seine Magie in uns wirkt. Am Ende könnte man es womöglich ja sogar verstehen!

Das Öffnen von menschlichen Körpern war verboten. Außerdem lebte Descartes in der Renaissance und vermutlich hat er lebende Tiere seziert um...was weiss ich...die Blutzirkulation zu beobachten:

http://en.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes#Dualism

Zitat:
Descartes suggested that the pineal gland is "the seat of the soul" for several reasons. First, the soul is unitary, and unlike many areas of the brain the pineal gland appeared to be unitary (though subsequent microscopic inspection has revealed it is formed of two hemispheres). Second, Descartes observed that the pineal gland was located near the ventricles. He believed the cerebrospinal fluid of the ventricles acted through the nerves to control the body, and that the pineal gland influenced this process. Finally, although Descartes realized that both humans and animals have pineal glands (see Passions of the Soul Part One, Section 50, AT 369), he believed that only humans have minds. This led him to the belief that animals cannot feel pain, and Descartes' practice of vivisection (the dissection of live animals) became widely used throughout Europe until the Enlightenment. Cartesian dualism set the agenda for philosophical discussion of the mind-body problem for many years after Descartes' death. The question of how a nonmaterial mind could influence a material body, without invoking supernatural explanations, remains controversial to this day.

Zu dem Rest komme ich noch. Eye-wink

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern ...

Zitat von Lou:
Das Öffnen von menschlichen Körpern war verboten. Außerdem lebte Descartes in der Renaissance und vermutlich hat er lebende Tiere seziert um...was weiss ich...die Blutzirkulation zu beobachten:
Okay okay, ich habe mich geirrt, was das angeht. Aber ehrlich mal: Was ist das genaue Problem? Dass Descartes Tiere aufgeschnitten hat, um nachzuschauen, wie sie funktionieren? - Ich muss Dir sagen, dass wir weder die moderne Biologie noch die Medizin hätten, wenn in der Vergangenheit nicht eine ganze Menge von Experimenten mit Tieren angestellt worden wären. Und Descartes hatte ja auch nicht grade zum Ziel eine neue tolle Hautcreme zu entwickeln, die er teuer verkaufen kann. Man kann seine Praxis mit lebenden Tieren durchaus kritisieren, finde ich. Stell Dir mal vor, wir würden das tun. Wahrscheinlich wären wir uns einig - lebende Tiere soll man nicht aufschneiden, das ist gemein und fies. Wenn jetzt aber einer da wäre, der einen gegenteiligen Standpunkt vertritt, z.B. "Ach hör auf, Tiere spüren keinen Schmerz" oder sowas wie "Tiere haben nicht so ein Bewusstsein wie der Mensch, also halb so schlimm" und die anderen Argumente - brauche ich jetzt nicht exakt auszuführen, Du weisst, was gemeint ist. Wenn wir uns auf so eine Diskussion ernsthaft einlassen würden, ich glaube, Du kannst Dir sehr lebhaft vorstellen, wie die Diskussion ablaufen würde. Zuerst würden wir ein paar sehr simple Argumente der Anschaulichkeit ins Feld führen, in der Hoffnung, unser Gegenüber erkennt sie an. Man will sich ja zunächst die Mühe sparen, all die besseren, aber auch komplizierteren Argumente ausformulieren zu müssen, darum startet man ja immer sachte in so eine Diskussion.

Aber wenn unser Gegenüber nun mit mehr Wassern gewaschen ist als wir annahmen, unsere erste Aufstellung an Argumenten nach allen Regeln der Kunst entkräftet, dann werden wir die schwereren Geschütze auffahren müssen. Und ehe Du Dich versiehst, würden wir das Nervensystem in unsere Argumentation einfliessen lassen, das Gehirn, Botenstoffe, Puls, Hormone, Kognitionstätigkeiten im Menschen- oder Tierhirn, Experimente mit Haustieren - kurzum: Wir würden Gegenstände wissenschaftlicher Forschung als zentrale Elemente unserer Argumentation aufbauen. Denkst Du nicht?

Und wenn das so wäre, dann hätten wir doch eine bessere, fundiertere Position, je mehr wir über diese Wissenschaft wüssten, oder nicht? Und genau so würde uns die Wissenschaft in die Lage versetzen, besser ethisch zu argumentieren, und ein sinnvolleres ethisches Urteil für uns selbst zu fällen. Und nach genau diesem Schema läuft meiner Ansicht nach die aktuelle Entwicklung ab, die ich in dem Blogeintrag meinte. Und ich gebe zu, dass ich dies in dem Blogeintrag nicht genau geschildert habe. Das aber nur, weil ich ihn kurz halten wollte. Exaktere Sachen wollte ich mir für den Bedarfsfall aufsparen - also für jetzt sozusagen. Smiling

In gewisser Weise stimme ich Dir also zu, was Descartes' Vivisektion von Tieren angeht. Aber ich bin der Meinung, dass dieses Argument nicht gegen die Rolle von Wissenschaft in der Ethik spricht - sondern eigentlich eher dafür!

Und, was zu Descartes noch zu sagen wäre: Seine Idee, Tiere hätten keine Seele, war für die Erkenntnisse und Wahrnehmungen seiner Zeit vielleicht durchaus angebracht. Sein Standpunkt war eine Annäherung an die tatsächliche Realität, so wie auch Newtons Physik eine Annäherung an die Gravitation war, die Einstein später präzisierte. Tatsächlich gibt es sehr gravierende Unterschiede zwischen dem Verhalten von Menschen und dem anderer Tierarten; da lässt sich schwer drüber hinwegsehen. Und denke nicht, dass Descartes naiv war. Aber so funktioniert die Wissenschaft eben: Man hat nicht alles Wissen sofort vor sich ausgebreitet, sondern muss schrittweise mühevoll formulieren was man denkt, feststellen, dass es unpräzise war und langsam, langsam durch Experimente und Schlussfolgerungen, immer präziser formulieren. Das ist bei den Religiösen ganz anders: Die haben mit ihrer heiligen Schrift direkt die komplette Weisheit vor sich ausgebreitet. Darum dürften sich deren ethische Standpunkte eigentlich auch niemals ändern oder der Zeit anpassen.

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern sich ...

Pass auf. Gehen wir mal zurück auf den Anfang. Ich weiß eigentlich gar nicht so wirklich was du mit dem Blogeitrag sagen willst. Wie wir ja gestern schon festgestellt haben, gehört die Philosophie schliesslich auch zu den Wissenschaften. Ich kommen nicht auf den diskussionswerten Kern deines Blogeintrags.

Zitat:
da seit Descartes eine Art ungeschriebenen Gesetzes besteht: dass die Wissenschaft Aussagen über die Funktionsweise der Welt macht, und die Religion doziert über Moral und Ethik. Kann es sein, dass diese alte Regel nun bricht?

Es ist doch schon seit jeher so, dass sich wissenschaftlich mit Moral und Ethik beschäftigt wird. Wie kann die Religion sich mit ethischen Fragen auseinandersetzen, wo sie doch nur den "Willen Gottes" interpretiert und den Menschen auf "Gottes Gnade" hoffen lässt. Da muss sich niemand entscheiden oder sich Gedanken machen was Gut und Böse ist. Vermutlich ist das der Grund warum Staat und Kirche getrennt wurden und das kirchliche Meinungen über Ethik und Moral in wissenschaftlichen Kreisen und für eine, ähm, nenne ich es mal "Staatsmoral/Ethik" seit dem Mittelalter keine Rolle mehr spielen.

Also ist allein schon der Titel deines Beitrags für mich irreführend, da sich Wissenschaftler ständig zu Ethik und Moral äußern. Wie du ja noch am Ende sagst:

Zitat:
Ich finde also, dass der aktuelle Trend überhaupt keine neue Sache ist.

Anscheinend verstehe ich den Beitrag nicht...oder ich weiß nicht, worauf du hinaus willst oder was du damit sagen/fragen willst.

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern sich ...

Ich habe früher nie bemerkt, dass Naturwissenschaftler wirklich Stellung zu den Fragen nach Gut und Böse genommen haben. Kann sein, dass sie es vereinzelt getan haben, aber das war unter Naturwissenschaftlern meiner Meinung nach nie Mainstream. Und dann haben sie wohl auch eher ihre persönliche Meinung als Privatpersonen vertreten und sich nicht so intensiv auf Forschungsergebnisse gestützt wie heute.

Philosophen haben sich aber schon seit langem mit diesen Fragen beschäftigt. Bei TED und in anderen Formaten kursiert zur Zeit die "Neuigkeit", dass Wissenschaftler angefangen haben, sich zu Moral und Ethik zu äußern. Und mit "zur Zeit" meine ich "seit 1-2 Jahren". Langsam sickert diese "Neuigkeit" zur breiten Öffentlichkeit durch, und es wird hier und da die Frage gestellt, warum die Wissenschaftler nicht schon früher angefangen haben, zu diesen wichtigen Fragen Stellung zu beziehen. Es kommt mir vor, als habe man dabei die Philosophie vergessen, die ja auch eine Wissenschaft ist.

Das ist alles. Ich hab mir das nicht ausgedacht, sondern beobachtet, dass diese Neuigkeit jetzt im Raum steht. Und mein Kommentar dazu ist, kurz gefasst: "Machen Philosophen doch schon seit Ewigkeiten."

Die Religionen machen eine Menge Aussagen zu Moral und Ethik. Angefangen beim richtigen Händewaschen, bis hin zur Todsünde und ewigen Verdammnis. Das volle Spektrum.

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern sich ...

Aha,
da kommen wir der Sache doch schon näher. Es sind Naturwissenschaftler gemeint und Video-Podcasts. Ich schau da nie rein (obwohl ich es sollte) und habe immense Schwierigkeiten damit, die Infos die du nicht im Blog erwähnst zu erraten. Eventuell solltest du die Einträge so schreiben, dass sie auch ein Mensch versteht, der sich nicht täglich TED reinfährt und in deinem Hirn auskennt. Ich glaube, dass war auch schon bei dem letzten Blogeintrag über Veganer so. Ich habe das Gefühl, du baust deine Beiträge auf ganz viel Wissen und Vorüberlegungen auf, die du in deinem Kopf schon durchgeführt und durchdacht hast, lässt aber den zwar interessierten aber relativ unbedarften Leser ein wenig außer acht. Vielleicht solltest du ab und zu mal einen Schritt zurück gehen und dein Geschriebenes aus den Augen eines Menschen betrachten, der sich nicht so intensiv mit der Materie auskennt.

Ich habe gerade einen schönen Artikel gefunden warum ethisch/moralischen Aussagen der Religion nicht zu trauen sind.: http://dk3hn.homepage.t-online.de/phirel_moral.htm

Re: Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern sich ...

Zitat von Lou:
Es sind Naturwissenschaftler gemeint und Video-Podcasts. Ich schau da nie rein (obwohl ich es sollte) und habe immense Schwierigkeiten damit, die Infos die du nicht im Blog erwähnst zu erraten.
Tut mir leid, aber da haben wir schon wieder ein Missverständnis: Es geht nicht nur um Video-Podcasts, sondern um viele Arten, wie Wissenschaftler sich öffentlich äußern.
Zitat:
Eventuell solltest du die Einträge so schreiben, dass sie auch ein Mensch versteht, der sich nicht täglich TED reinfährt und in deinem Hirn auskennt.
Es ist in meinen Augen sehr schade, dass vor allem dieser Satz von Dir einen geringschätzigen Eindruck auf mich macht.

Natürlich will ich mich verständlich ausdrücken. Und ich danke Dir für Deine Kritik. Ja, auch bei dem letzten Blogeintrag über Veganer habe ich mich so ausgedrückt, dass bei Dir zum Teil Missverständnisse entstanden sind. Aber bitte erwarte nicht, dass ich von einem Eintrag auf den nächsten zum Super-Blogartikelschreiber werde. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!

Wenn ich aber eine Sache anmerken dürfte - schau Dir mal die ersten beiden Sätze dieses Blogeintrags hier an:

Zitat von Die ersten beiden Sätze dieses Blogeintrags:
Es gibt scheinbar einen neuen Trend unter Wissenschaftlern: In Talkshows, Interviews und öffentlichen Präsentationen äußern sie sich jetzt nicht mehr allein zu den fachlichen Themen ihres Gebiets, sondern geben auch immer häufiger Auskunft über moralische und ethische Implikationen ihrer Forschung.

Du hast mich grade unter anderem dafür kritisiert, dass Dir nicht deutlich wurde, in welcher Weise bzw. in welchem Medium sich die Wissenschaftler äußern, und dass Du erst einige Kommentare mit mir austauschen musstest, um (miss!-)zuverstehen, dass ich Video-Podcasts meinte. Dabei steht doch im zweiten Satz ganz deutlich drin, wie die betreffenden Wissenschaftler sich äußerten. Wie hätte ich das in Deinen Augen deutlicher formulieren können?

Dein zweiter Kritikpunkt war, dass es für Dich erst sehr spät deutlich wurde, dass Naturwissenschaftler gemeint seien. Ich hätte dies nicht schon im ersten Satz dieses Artikels erwähnen können, denn der englische Ausdruck, der meiner Meinung nach in solchen Äußerungen stets verwendet wurde, war "scientist", nicht "nature scientist". Ich kann doch nicht einen Trend, über den ich berichte, verfälscht darstellen. Hinzu kommt, dass dies ja grade der springende Punkt an diesem Artikel war: Dass nämlich anscheinend die Philosophen bei der ganzen Geschichte vergessen werden! Ich habe ja auch exemplarisch Biologen, Physiker, Psychologen und (ich glaube) auch Neuropsychologen genannt. Das war meiner Ansicht nach illustrativer als im Verlauf des Artikels den Begriff "Naturwissenschaftler" unauffälligerweise einfließen zu lassen und sich darauf zu verlassen, dass dies dem Leser ins Auge springt (und sich jeder Leser auch darüber bewusst ist, was der spezifische Unterschied zwischen Wissenschaft allgemein und Naturwissenschaft im speziellen ist). Also fällt es mir auch in diesem Punkt schwer, mir vorzustellen, wie ich dies in Deinem Sinne hätte besser machen können.

Zitat von Lou:
Ich habe das Gefühl, du baust deine Beiträge auf ganz viel Wissen und Vorüberlegungen auf, die du in deinem Kopf schon durchgeführt und durchdacht hast, lässt aber den zwar interessierten aber relativ unbedarften Leser ein wenig außer acht. Vielleicht solltest du ab und zu mal einen Schritt zurück gehen und dein Geschriebenes aus den Augen eines Menschen betrachten, der sich nicht so intensiv mit der Materie auskennt.

Naja, Du unterstellst mir jetzt, dass ich das nicht tue. Aber darum schreibe ich so selten was - weil ich so viel darüber nachdenke!

Ich habe jetzt auch gut verstanden, was Du von meinem Geschreibe hältst. Gern würde ich Besserung geloben, glaube aber nicht wirklich, dass ich mich mal so eben auf so ein hohes Niveau hocharbeiten kann. Wenn Du Tipps und Vorschläge für mich hast - immer her damit!

Aber es ist schon etwas verhext: Entweder die Artikel sind zu lang, oder sie enthalten zu wenig Information. Ts ts... Ich würde vorschlagen, Unklarheiten und Ergänzungen hier in den Kommentaren vorzunehmen, so wie wir das jetzt ja auch getan haben. Was stört Dich denn daran? Ist doch irgendwie klar, dass ich hier in meinem eigenen Blog aus meiner eigenen Sicht schreibe. Wenn Du das alles für Unsinn hältst, kannst Du das gern schreiben. Ich finde das nicht im geringsten schlimm.

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.