Philosophie
Kommentar zum Trend "Wissenschaftler äußern sich zu Moral und Ethik"
Es gibt scheinbar einen neuen Trend unter Wissenschaftlern: In Talkshows, Interviews und öffentlichen Präsentationen äußern sie sich jetzt nicht mehr allein zu den fachlichen Themen ihres Gebiets, sondern geben auch immer häufiger Auskunft über moralische und ethische Implikationen ihrer Forschung. Das ist insofern heikel, da seit Descartes eine Art ungeschriebenen Gesetzes besteht: dass die Wissenschaft Aussagen über die Funktionsweise der Welt macht, und die Religion doziert über Moral und Ethik. Kann es sein, dass diese alte Regel nun bricht?
Gut wäre es auf alle Fälle. Wer würde nicht einer Gruppe erfahrener Psychologen oder sogar Biologen eher ein fundiertes ethisches Urteil zutrauen als einer Bischofskonferenz? Doch bei dieser Betrachtungsweise ist etwas wichtiges vergessen worden, nämlich dass die Philosophen schon seit Jahrhunderten, gar seit Jahrtausenden, sehr fundierte Aussagen über Ethik und Moral machen. Jeder kann es nachlesen, ob nun bei Plato und Sokrates oder bei Kant und Hegel. Weiterlesen»
Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?
Ich brauche Eure Meinung. Denn da draußen tobt ein Krieg, und ich weiß nicht, wie ich mich positionieren soll. Bitte schreibt Eure Meinung als Kommentar auf!
Es fing ganz harmlos an. Auf der Suche nach Information über ein Fleischersatzprodukt namens "Valess", das in Deutschland noch relativ neu ist, stieß ich auf ein Vegetarierforum und lernte schnell, dass nicht nur manche Vegetarier missbilligend auf uns Fleischfresser herab blicken, sondern ebenso auch manche Veganer auf die Vegetarier! Die Ausdrucksweise der betreffenden Veganer hat etwas Arrogantes. Beispiel:
ich mache mich gerne mal unbeliebt und sage fleisch = mord
aber milch auch irgendwie = mord. ich find es gut wenn man vegetarier wird aber meines erachtens macht es nur wirklich sinn wenn man sich zum veganer weiterentwickelt.
(Zitiert vom Nutzer "mizzimuzzi", Link zum Original)
Wir haben ja keine Ahnung
Eines Nachts kamen ein Freund und ich auf eine schöne Idee: Wir wollten die Sterne möglichst klar mit bloßen Augen sehen können. Das ist nicht einfach, wenn man sich in einer Stadt befindet, weil von allen Richtungen störendes helles Licht einfällt. Also sind wir zum äußersten Rand der Stadt gefahren, bis wir ein riesiges Feld fanden. Ich steuerte das Auto bis ungefähr in die Mitte des Feldes, wo wir praktischerweise einen kleinen Platz mit einer Parkbank vorfanden. Es war so dunkel wie es in dieser relativen Nähe zu einer Stadt nur sein kann; wir konnten uns gegenseitig nur dadurch erkennen, dass unsere Silhuetten sich dunkel gegen den schmalen hellen Streifen am Horizont abhoben, in dem sich der ganze Glanz der Stadt versteckt hatte.
So der Dunkelheit ausgesetzt, sprachen wir unwillkürlich leiser, denn alle Geräusche erschienen plötzlich lauter zu sein. Es war recht warm für eine Nacht, aber ein träger, erfrischender Wind wehte angenehm um uns herum. Vom Auto her hörten wir noch einige Knackgeräusche, während sich das abkühlende Metall zusammenzog, und gedämpft drang das entfernte Rauschen der Autobahn in unsere Ohren. Über all dem lag die gigantische schwarze Schale des Himmels, gesprenkelt mit vielen winzigen, perfekt reinen Leuchtpunkten, eine Unendlichkeit, deren Größe man nicht im mindesten erfassen kann, selbst wenn man mehrfach den Blick von einer Seite des Himmels zur anderen schweifen lässt.
- Weblog von Madoc
- Anmelden um Kommentare zu schreiben
Realität Plus
(Diesen Artikel kannst Du auch anhören. Drücke einfach den dreieckigen "Play"-Knopf oben. Falls da kein Knopf ist, klicke hier.)
Glaubst Du an übersinnliche Phänomene? Wenn ja, warum? Ich meine wirklich, warum glaubt man ans Übersinnliche?
Ich glaube daran, dass meine Fantaflasche nach unten fällt, wenn ich sie hoch halte und dann loslasse. Warum glaube ich daran? Weil ich so etwas schon oft genug erlebt habe, vielleicht nicht mit Fantaflaschen, aber mit vielen anderen Dingen. Ich kann wirklich und wahrhaftig behaupten, dass all meine Erlebnisse keinen anderen Schluß zulassen, als dass die Flasche runterfällt. Darum glaube ich daran - weil ich keine andere Wahl habe! Würde ich behaupten, dass die Flasche schwebt, wenn ich sie loslasse, dann würde ich etwas sagen, das im krassen Gegensatz steht zu allem, was ich bisher erlebt habe. Und dazu habe ich keinen Grund, warum sollte ich das tun? Also muss ich an die Gravitation glauben, ob ich nun will oder nicht.
Meinen Glauben an das Übersinnliche habe ich erst vor kurzem aufgegeben. Ich glaubte nicht wirklich stark daran, aber ich betonte immer wieder, dass die physikalischen Gesetze Lücken haben, die sich vielleicht als Erklärungen für übersinnliche Phänomene eignen könnten. Obwohl ich nie gesagt habe, dass ich wirklich ans Paranormale glaube, wollte ich mich nicht festlegen, ich wollte auch nicht ganz klar sagen, dass ich nicht daran glaube. Warum? Naja, weil ich irgendwie daran glauben wollte. Das habe ich mir lange Zeit nicht eingestanden: Ein Universum, das wenigstens die Möglichkeit von übersinnlichen Dingen enthält, erschien mir so viel interessanter und toller zu sein als ein trockenes Universum ganz ohne solchen Schnickschnack. Ich wollte die Hoffnung darauf nicht begraben und hielt daran fest.
Das heisst: Ich hatte einen radikal anderen Grund dafür, ans Paranormale zu glauben, als dafür, an die Gravitation zu glauben. Ans Paranormale glaubte ich, weil ich es glauben wollte, und bei der Gravitation war ich gezwungen, ich konnte nicht anders als daran zu glauben. Und ich finde, das sagt eine ganze Menge über die Qualität und Glaubwürdigkeit dieser Glaubenssätze aus.
Weiterlesen»- Weblog von Madoc
- Anmelden um Kommentare zu schreiben
Über Misere und Trauer
(Diesen Artikel kannst Du auch anhören. Drücke einfach den dreieckigen "Play"-Knopf oben. Falls da kein Knopf ist, klicke hier.)
Eine Warnung vorweg: Dieser Artikel ist lang, darum habe ich mich auch eine Zeit lang davor gescheut ihn zu schreiben. Wer ihn lesen will, sollte ein wenig Zeit mitbringen. Doch jetzt zum Thema:
Vor kurzem habe ich auf madoc.eu einen Artikel über das Freuen geschrieben, und ich finde, er ist einer meiner besten Artikel. Wenn Du ihn noch nicht gelesen hast, schlage auf madoc.eu den Artikel "Werde ein Freuer!" nach. Natürlich ist es schön, so einen Artikel zu schreiben und zu lesen, denn schon das Thema an sich ist erfreulich. Es gibt viele, viele Bücher, in denen nur von solchen erbaulichen Dingen berichtet wird. Zahllose Motivations- und Selbsthilfebücher quellen nur so über von Litaneien über das Schöne im Leben. Und das ist auch gut so, denn Erwachsene müssen das Staunen und Freuen wieder neu erlernen. Irgendwie vergisst man, wie das funktioniert, wenn man erwachsen wird.
Trotzdem stört mich etwas daran. Diese Bücher erzählen einem wunderbar, wie man aus einem ganz guten Tag einen prächtigen Tag machen kann. Aber was ist, wenn ich einen miserablen Tag habe? Eine miserable Phase? Da hört's dann auf mit den guten Ratschlägen. Stattdessen suggerieren die Selbsthilfebücher, dass wir miserable Zeiten komplett vermeiden können, wenn wir bestimmte Prinzipien befolgen. Das trifft sich irgendwie ganz gut mit einem intuitiven Gefühl, das jeder hat. Ich meine dieses Gefühl, dass miserable Zeiten nicht wirklich von unserer Umwelt verursacht werden, sondern von uns. Klar, es kann uns was Übles zustossen, aber es ist unsere Sache, wie wir damit umgehen. Wir können doch letzten Endes die Herren unseres Schicksals sein. Das wird doch immer wieder gesagt, und wir glauben so gerne daran, nicht wahr?
Weiterlesen»Der kosmische Humor des Douglas Adams
Wer das Buch "Per Anhalter duch die Galaxis" von Douglas Adams aufschlägt, findet zunächst eine Seite, auf der nichts andere steht als (sinngemäß):
Weiterlesen»Es gibt eine Theorie, nach der jedesmal, wenn jemand verstanden hat, wie das Universum funktioniert, das Universum sofort durch etwas noch Größeres, noch Unverständlicheres ausgetauscht wird.
- Weblog von Madoc
- Anmelden um Kommentare zu schreiben
Wenn Du alles erreicht hast, was dann?
Ich hatte einmal ein bemerkenswertes Gespräch mit einem sehr guten Freund. Es fing an mit dem Thema Geldwäsche, und ziemlich schnell kamen wir auf die Frage, was wir täten, wenn wir plötzlich unermesslich viel Geld besäßen. Mein Freund schien diese Vorstellung für die Erfüllung seines Lebens zu halten, aber ich war mir da nicht so sicher. Also gelangte ich in die Rolle des kritischen Fragestellers (wie so oft), und er musste antworten.
Weiterlesen»- Weblog von Madoc
- Anmelden um Kommentare zu schreiben