Kultur
Idee: Kirchenaustritt als Protest
In einem sind sich viele gläubige Christen derzeit einig mit Atheisten: Die Fälle von Kindesvergewaltigungen und -foltern in der katholischen Kirche (ich nenne es nicht "Misshandlung", weil ich diesen Begriff als beschönigend empfinde - da denkt man vielleicht, der Pfaff hat nur mal eine Ohrfeige verteilt) werden der Organisation noch lange anhaften. Dies liegt sowohl daran, dass Päderastie gesellschaftlich als schlimmste aller Missetaten angesehen wird, als auch an der Art, wie die Leitung der katholischen Kirche damit umgeht. Immer schön unter den Teppich kehren! Schuld sei die sexuelle Revolution oder die Homosexualität. Auch der Papst arbeitet aktiv an der Vertuschung der Untaten, statt öffentlich tiefstes Bedauern zu äußern und die Kirche zu einer Organisation umzuarbeiten, die Kindern in Not hilft, anstatt sie zu Opfern des Bösen zu machen. Viele gläubige Christen sind sich einig mit Atheisten, dass man so eine Organisation nicht unterstützen will, sich nicht damit in Verbindung bringen lassen will, dass man ihr erst recht kein Geld geben will. Selbst wenn man an Gott, Jesus und die Bibel glaubt - das geht zu weit!
Es sind so viele Fälle von Kindesvergewaltigung in der katholischen Kirche aufgetreten, dass dies nicht als unglückliche Häufung von Zufällen gelten kann. Mit dem System der Kirche stimmt etwas nicht, und zwar ganz fundamental nicht. Es ist unerträglich zu wissen, dass die Kirche morgen ganz genau so weiter machen wird wie heute und gestern. Es wird sich nichts ändern, weil die katholische Kirche nichts an ihren Strukturen verändert. Ich würde mir einen bestürzten, beschämten Papst wünschen, der jetzt in Zusammenarbeit mit Psychologen und Missbrauchsopferverbänden kirchliche Strukturen so umarbeitet, dass Kinder nicht mehr durch die Mitglieder der Organisation vergewaltigt oder gefoltert werden. Ach was, ich wünsche mir das nicht nur, sondern ich finde, dass dies das mindeste wäre, was der Papst tun könnte! Aber Pustekuchen, es wird nur geleugnet und vertuscht. Die Kirche wird sich nicht ändern.
Darum fordere ich zum Protest auf, indem ich ihn selbst beginne. Ich werde aus der Kirche austreten, und ich werde für mindestens ein Jahr meine Kirchensteuer an ein Hilfswerk für Vergewaltigungsopfer spenden. Ich bitte um Tipps: Welche Hilfswerke kommen in Frage?
Außerdem werde ich eine Webseite entwerfen. Jeder Blogger, der sich entscheidet meinen Protest nachzumachen, der ebenfalls aus der Kirche austritt und seine Kirchensteuer den Opfern zukommen lässt, wird sich auf der Seite verlinken lassen können. Wer nicht Mitglied der katholischen Kirche ist, wird natürlich ebenfalls herzlich zur Teilnahme aufgefordert sein. Auch wer nichts spenden mag, sondern wer vielleicht nur seine Meinung in seinem Blog veröffentlicht, darf sich verlinken lassen.
Okay, das ist zumindest mein Plan. Ich bin mir noch nicht absolut klar darüber, ob ich die Webseite wirklich umsetze. Darum bitte ich um Meinungen. Wenn ich am Ende der einzige bin, der sich auf der Webseite als Kirchenaustreter outet, dürfte das reichlich kümmerlich wirken, oder?
Mein Aufruf richtet sich an gläubige Christen genau wie an Atheisten. Wer aus der Kirche austreten möchte ohne seinen Glauben aufzugeben, dem würde ich empfehlen, einen Wechsel von der katholischen zur evangelischen Kirche zu erwägen. Die evangelische Kirche ist ein wenig "demokratischer" organisiert, weniger dogmatisch, pompös und herrschaftlich als die katholische Kirche. Die Priester dürfen auch Priesterinnen sein, und sie dürfen heiraten (auch gleichgeschlechtliche Partner). Und das wichtigste von allem: evangelische Würdenträger vergewaltigen keine kleinen Kinder.
In eigener Sache: Manche könnte es wundern, dass ich als Atheist noch Mitglied der Kirche bin. Das hat persönliche Gründe (Option auf kirchliche Trauung im Falle von Hochzeit, sowie Faulheit). Mein Kirchenaustritt ist schon lange, lange überfällig. Und jetzt kann ich ihm vielleicht auch noch besondere Bedeutung verleihen.
Volksfront der Veganer - oder vegane Volksfront?
Ich brauche Eure Meinung. Denn da draußen tobt ein Krieg, und ich weiß nicht, wie ich mich positionieren soll. Bitte schreibt Eure Meinung als Kommentar auf!
Es fing ganz harmlos an. Auf der Suche nach Information über ein Fleischersatzprodukt namens "Valess", das in Deutschland noch relativ neu ist, stieß ich auf ein Vegetarierforum und lernte schnell, dass nicht nur manche Vegetarier missbilligend auf uns Fleischfresser herab blicken, sondern ebenso auch manche Veganer auf die Vegetarier! Die Ausdrucksweise der betreffenden Veganer hat etwas Arrogantes. Beispiel:
ich mache mich gerne mal unbeliebt und sage fleisch = mord
aber milch auch irgendwie = mord. ich find es gut wenn man vegetarier wird aber meines erachtens macht es nur wirklich sinn wenn man sich zum veganer weiterentwickelt.
(Zitiert vom Nutzer "mizzimuzzi", Link zum Original)
Respekt dem Euro-Vision-Shit-Contest
(Wenn Du diesen Eintrag lieber von mir vorgelesen hören willst, gedulde Dich bis morgen und kehre dann hierher zurück.)
Ich habe den Vorentscheid des Eurovision Song Contest verpasst, ebenso wie einen Großteil des Finales. Eigentlich schaue ich mir den Unsinn auch ungern an. Beim "Grand Prix" werden uns drittklassige Musiker vorgeführt, die unter normalen Umständen mit dieser Musik im Leben keinen Plattenvertrag bekommen würden. Und selbst wenn - ihre so genannte "Musik" ist so schlecht, dass keiner sie sich anhören würde. Es ist die Art akustischen Ramsches, die man bestenfalls nach ein paar Jahren auf dem Grabbeltisch für 1,99 findet (Währung egal), und die trotzdem keiner kauft. Unterste Schublade!
Um so erstaunlicher ist es, dass man von Freunden und Bekannten öfter so Kommentare hört wie: "Ach, die aus diesem Land waren dieses Jahr ja richtig gut." oder: "Den Auftritt von Soundso fand ich am besten." Und das ohne ein Wimpernzucken, ohne ein Ironie verratendes Lächeln. Wie kommt's, wie soll man dazu stehen?
Weiterlesen»Albert Hofmann verstorben
Vorgestern verstarb der Entdecker von LSD, der stärksten bekannten psychoaktiven Substanz. Der brillante Mann erreichte, allen Drogen-Vorurteilen zum Trotz, ein Lebensalter von 102 Jahren.
Himmel und Hölle ist im Menschen. Und es ist so, dass man mit diesem Stoff nun Einblick bekommt in die eigene Hölle oder den eigenen Himmel.
- Albert Hofmann
Realität Plus
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Glaubst Du an übersinnliche Phänomene? Wenn ja, warum? Ich meine wirklich, warum glaubt man ans Übersinnliche?
Ich glaube daran, dass meine Fantaflasche nach unten fällt, wenn ich sie hoch halte und dann loslasse. Warum glaube ich daran? Weil ich so etwas schon oft genug erlebt habe, vielleicht nicht mit Fantaflaschen, aber mit vielen anderen Dingen. Ich kann wirklich und wahrhaftig behaupten, dass all meine Erlebnisse keinen anderen Schluß zulassen, als dass die Flasche runterfällt. Darum glaube ich daran - weil ich keine andere Wahl habe! Würde ich behaupten, dass die Flasche schwebt, wenn ich sie loslasse, dann würde ich etwas sagen, das im krassen Gegensatz steht zu allem, was ich bisher erlebt habe. Und dazu habe ich keinen Grund, warum sollte ich das tun? Also muss ich an die Gravitation glauben, ob ich nun will oder nicht.
Meinen Glauben an das Übersinnliche habe ich erst vor kurzem aufgegeben. Ich glaubte nicht wirklich stark daran, aber ich betonte immer wieder, dass die physikalischen Gesetze Lücken haben, die sich vielleicht als Erklärungen für übersinnliche Phänomene eignen könnten. Obwohl ich nie gesagt habe, dass ich wirklich ans Paranormale glaube, wollte ich mich nicht festlegen, ich wollte auch nicht ganz klar sagen, dass ich nicht daran glaube. Warum? Naja, weil ich irgendwie daran glauben wollte. Das habe ich mir lange Zeit nicht eingestanden: Ein Universum, das wenigstens die Möglichkeit von übersinnlichen Dingen enthält, erschien mir so viel interessanter und toller zu sein als ein trockenes Universum ganz ohne solchen Schnickschnack. Ich wollte die Hoffnung darauf nicht begraben und hielt daran fest.
Das heisst: Ich hatte einen radikal anderen Grund dafür, ans Paranormale zu glauben, als dafür, an die Gravitation zu glauben. Ans Paranormale glaubte ich, weil ich es glauben wollte, und bei der Gravitation war ich gezwungen, ich konnte nicht anders als daran zu glauben. Und ich finde, das sagt eine ganze Menge über die Qualität und Glaubwürdigkeit dieser Glaubenssätze aus.
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"One Laptop per Child" und eine Einsicht übers Lernen
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Dieses "One Laptop per Child"-Programm habe ich damals nie verstanden. Man will so viele afrikanische Kinder wie möglich mit Einhundert-Dollar-Laptops ausstatten. Ich dachte immer, man soll denen lieber was zu Essen geben, oder vielleicht Wasser. Weit gefehlt! Jetzt verstehe ich den Sinn hinter dem Programm, und ich finde es großartig.
Den Ausschlag haben zwei Videos von TED.com gegeben. Das erste erklärt, was man mit dem Laptop machen kann, und das zweite ist uralt. Doch gemach, gemach, und alles schön der Reihe nach:
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Über Misere und Trauer
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Eine Warnung vorweg: Dieser Artikel ist lang, darum habe ich mich auch eine Zeit lang davor gescheut ihn zu schreiben. Wer ihn lesen will, sollte ein wenig Zeit mitbringen. Doch jetzt zum Thema:
Vor kurzem habe ich auf madoc.eu einen Artikel über das Freuen geschrieben, und ich finde, er ist einer meiner besten Artikel. Wenn Du ihn noch nicht gelesen hast, schlage auf madoc.eu den Artikel "Werde ein Freuer!" nach. Natürlich ist es schön, so einen Artikel zu schreiben und zu lesen, denn schon das Thema an sich ist erfreulich. Es gibt viele, viele Bücher, in denen nur von solchen erbaulichen Dingen berichtet wird. Zahllose Motivations- und Selbsthilfebücher quellen nur so über von Litaneien über das Schöne im Leben. Und das ist auch gut so, denn Erwachsene müssen das Staunen und Freuen wieder neu erlernen. Irgendwie vergisst man, wie das funktioniert, wenn man erwachsen wird.
Trotzdem stört mich etwas daran. Diese Bücher erzählen einem wunderbar, wie man aus einem ganz guten Tag einen prächtigen Tag machen kann. Aber was ist, wenn ich einen miserablen Tag habe? Eine miserable Phase? Da hört's dann auf mit den guten Ratschlägen. Stattdessen suggerieren die Selbsthilfebücher, dass wir miserable Zeiten komplett vermeiden können, wenn wir bestimmte Prinzipien befolgen. Das trifft sich irgendwie ganz gut mit einem intuitiven Gefühl, das jeder hat. Ich meine dieses Gefühl, dass miserable Zeiten nicht wirklich von unserer Umwelt verursacht werden, sondern von uns. Klar, es kann uns was Übles zustossen, aber es ist unsere Sache, wie wir damit umgehen. Wir können doch letzten Endes die Herren unseres Schicksals sein. Das wird doch immer wieder gesagt, und wir glauben so gerne daran, nicht wahr?
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